In den vergangenen neun Jahren konnten 45 leer stehende alte Gebäude im Bezirk Landeck saniert werden. Sie beherbergen nun Wohnraum und Geschäftsflächen, für die kein Boden versiegelt werden musste. Ein besonders beeindruckendes Beispiel ist der Buchhammerhof Martinsbach im Kaunertal.
„Es braucht mehr Willis!“ So sah das die Zentralvereinigung der Architekt:innen bei der Verleihung des Bauherr:innenpreises 2024 und ließ gleich auch Aufkleber mit diesem Slogan herstellen. Die Willis, das sind Wilhelm Buchhammer und sein gleichnamiger Vater. Sie haben von 2020 bis 2023 einen lange leer stehenden Bauernhof am Eingang zum Kaunertal mithilfe von Expert:innen und mit sehr viel Eigenleistung behutsam und liebevoll generalsaniert.
Gerettete Baukultur. Nicht alle in der Familie waren von Anfang an von dieser Idee begeistert. „Auch mein Vater plädierte damals für abreißen und neu bauen“, erinnert sich Willi Buchhammer jun., der sich trotzdem nicht von der Rettung des Bauernhofes aus den 1890er-Jahren abhalten ließ. „Es sind schon so viele Bauernhöfe verschwunden.“ Und dieser Hof dokumentiert nicht nur die bäuerliche Bau- und Wohnkultur des Kaunertals, sondern stellt auch ein Unikat dar, das auf die Erbfolgeregelung im Tiroler Oberland zurückgeht: Für die zwei erbenden Söhne wurden zwei spiegelgleich angeordnete Hausteile mit zwei Eingängen errichtet. „Heute sind beide Haushälften miteinander verbunden und alle in der Familie stolz auf den Buchhammerhof Martinsbach“, grinst Buchhammer.
„Ein Bauherr, wie man ihn sich als Architekt nur wünschen kann“, sagt Architekt Harald Kröpfl, der im Bezirk Landeck als Koordinator für Ortskernrevitalisierung und Leerstandsmanagement fungiert. „Der Willi“ nämlich setzte einen ungewöhnlichen und gleichzeitig sehr klugen Schritt: Er ließ das Gebäude von sich aus unter Denkmalschutz stellen. „Damit ist einerseits sichergestellt, dass das Haus auch dann nicht abgerissen wird, wenn wir es einmal verkaufen müssten. Anderseits war die Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt sehr hilfreich, da es uns zahlreiche Kontakte zu Spezialist:innen für besondere Aufgaben bei der Sanierung vermittelt hat.“
Schließlich wollte Buchhammer nichts falsch machen. Durch die Kooperation mit Architekt Kröpfl und den zahlreichen Handwerker:innen erwarb sich der Installateur, Baggerfahrer, Gastwirt, Fischzüchter und Landwirt weitere Fähigkeiten im Bereich Bauen und Sanieren – bis hin zum Kalklöschen und Verputzen mit Kalk. Wer sich selbst von der gelungenen Revitalisierung überzeugen möchte, kann eine der drei Ferienwohnungen mit dem Charme holzvertäfelter Bauernstuben und moderner Küchen- und Sanitärtechnik mieten.
Fachliche und finanzielle Unterstützung. Genau diese Vernetzung brachte ein im Jahr 2016 gestartetes Projekt von regioL (Regionalmanagement für den Bezirk Landeck) in Schwung. Ziel dieses LEADER-Projekts war und ist die Ortskernrevitalisierung (OKR) und die Schaffung von Wohnraum und Geschäftsflächen in leer stehenden Gebäuden. „Dabei stehen immer die Bauherren und Baufrauen im Zentrum“, weiß Elisabeth Steinlechner, Managerin der KEM Landeck, die als selbstständige Beraterin auch für das Regionalmanagement tätig ist. „Es braucht bei der Sanierung von historischen Gebäuden eine besonders hochwertige Beratung, und es freut mich sehr, dass wir diese in unserer KEM durch Architekt Kröpfl sicherstellen können.“
Im Bezirk Landeck konnten seit 2016 über 45 Projekte in 13 Gemeinden umgesetzt werden. Mehr als 10.000 m2 Wohnraum und 2.000 m2 Geschäftsflächen wurden geschaffen. Finanzielle Unterstützung erhielten die Bauherr:innen durch Bundes– und Landesförderungen sowie aus einem regionalen Förderprogramm. Inzwischen sind auch in fast allen anderen Bezirken Tirols OKR-Koordinator:innen tätig (vgl. hier). Und diese gibt es nicht nur für Willis, sondern auch für Susis, Michaels und alle anderen, die alte Gemäuer zu neuem Leben wiedererwecken.
Weitere Informationen:
BMLUK: Orts- und Stadtkernförderung, Reaktivierung des Leerstands
Richtlinie für die Förderung von Revitalisierungsmaßnahmen in Tiroler Dörfern
Land Tirol: Ortskernrevitalisierung
Interview mit Willi Buchhammer