12.11.2025 – Newsletter-Beiträge – #11/2025

Die KEM als Forschungslabor

Mann steht mit Papierrolle vor Zeichnungen.

KEM-Manager im Porträt. Kurt Leonhartsberger treibt die Energiewende in der KEM Bezirk Perg nicht nur voran, sondern zählt auch zu den heimischen Top-Experten für Innovationen im Energiesystem.

Eigentlich war es nicht das Ziel von Kurt Leonhartsberger, KEM-Manager im Bezirk Perg zu werden. Und mit der Einreichung der KEM-Bewerbung beim Klima- und Energiefonds sowie einer Stellenausschreibung für das KEM-Management wäre seine Arbeit schon getan gewesen. „Doch leider war unter den Bewerber:innen niemand mit Herzblut für den Klimaschutz darunter“, erinnert sich Leonhartsberger und sprang daher im September 2023 selbst ein. Inzwischen hat er eine Vertrauensbasis geschaffen und das Gefühl, „dass wir mit der KEM wirklich viel bewegen können“. Nun, in der ersten Weiterführungsphase, möchte er ein kleines Team aufbauen. Im April startete der Bezirk Perg auch eine Klimawandel-Anpassungsmodellregion (KLAR!).

 

PV-Boom. „Infolge des Ukraine-Kriegs ist auch in unserer Region der PV-Ausbau explodiert. Meine Aufgabe ist es, Mittel und Wege zu finden, diesen Boom aufrechtzuerhalten“, erklärt der KEM-Manager. Er setzte Bürgerbeteiligungsprojekte in Schwertberg (rund 100 kWp) und Waldhausen (ca. 200 kWp) um. Doch damit ist nun Schluss, denn das Land Oberösterreich untersagte kürzlich Härteausgleichsgemeinden diese Finanzierungsform – und in der KEM Perg* fallen viele Gemeinden in diese Kategorie.

 

Durch den massiven Zubau an Photovoltaik in den vergangenen Jahren (über die KEM gerechnet aktuell 1,82 kWp pro Einwohner:in) stoßen aber auch die Netze in manchen Bereichen an ihre Grenzen – allerdings nur an wenigen Tagen im Jahr. Im Forschungsprojekt OpenGrid4PV zeigt Leonhartsberger daher gemeinsam mit Partner:innen auf, wie man dennoch die Einspeisung weiterer PV-Anlagen zulassen und nur bei drohender Überlastung vom Netz nehmen kann (vgl. hier). Dieses System ist inzwischen an sechs neuralgischen Punkten – drei Trafo- und drei Übergabestationen auf Netzebene 5 – im Einsatz. „Noch ist die Bedienung manuell, aber wir tüfteln intensiv an einem Algorithmus zum automatischen Abregeln und Hochfahren“, so Leonhartsberger.

 

Gemeinsam speichern. Gleichzeitig stellte er durch das Programm   das Projekt EGent auf die Beine. Dieses untersucht die technische und wirtschaftliche Umsetzung von stationären und mobilen Gemeinschaftsspeichern – zur Entlastung der Netze und zur Stärkung der Energiegemeinschaften. Nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch. „Mit zwei EEGs aus unserer Region konnten wir bereits aus Speichern ins Netz einspeisen“, freut sich Leonhartsberger. „Energiegemeinschaften sind ein wunderbarer Katalysator, um die Bürger:innen in die Energiewende miteinzubeziehen.“ Mehr zu EGent hier.

 

Wie das mit den mobilen Speichern, vulgo E-Autos, funktioniert, demonstrierte Leonhartsberger am 24. September beim Technologiezentrum Perg. Mehr als 100 Besucher:innen kamen zur Infoveranstaltung „Bidirektionales Laden“, rund 30 von ihnen wollten auch ihr eigenes Auto anstecken, um das Einspeisen von Strom aus dem Auto ins Stromnetz zu testen (also V2G – Vehicle to Grid). Weitere Termine sind geplant.

 

Gemeinsam mit Matthias Zawichowski arbeitete er auch im vom Klima- und Energiefonds geförderten Forschungsprojekt   mit. Mit seinem Unternehmen impeect GmbH war er auch beim ebenfalls vom Klima- und Energiefonds unterstützten Projekt   mit dabei. Auch in diesen Projekten ging es um das bidirektionale Laden und die Erschließung des enormen Speicherpotenzials von Elektrofahrzeugen.

 

Elektrisch unterwegs. Ist Kurt Leonhartsberger ein E-Auto-Fan? „Überhaupt nicht, vor meinem ersten E-Auto hatte ich immer die hässlichsten Autos “, lacht der Wissenschafter. „Aber E-Autos sind spannend, weil wir zwar den motorisierten Individualverkehr am Land reduzieren können, aber nicht so schnell wegbringen werden. Viele Haushalte besitzen sogar zwei oder mehr Autos. Also sollten wir nicht nur deren Transport-, sondern auch ihre Speicherleistung nutzen – daheim und zunehmend auch im Netz. E-Autobatterien sollten zum integralen Bestandteil des E-Systems werden.“ Vor zehn Jahren kaufte er sich auch sein erstes E-Bike, „die beste Investition meines Lebens angesichts unserer hügeligen Region“.

 

Derzeit sind zehn EEGs im Bezirk Perg aktiv, die vom KEM-Manager teilweise initiiert, teilweise begleitet oder beraten wurden. Dass es so viele sind, liegt auch daran, dass es hier einen überregionalen und mehrere kleinere Netzbetreiber gibt und die Versorgung über zwei Umspannwerke mit jeweils zwei Stromschienen erfolgt. Nun begleitet er die Energiegemeinschaften bei der Professionalisierung.

 

Klimaschulenprojekt. Es wäre nicht Kurt Leonhartsberger, hätte er nicht auch bei seinem Klimaschulenprojekt 2024/25 „Unsere Region, unsere Zukunft“ technische Aspekte eingebracht. Die Kinder und Jugendlichen konnten mit „Lego Robotics“ arbeiten und ihre Stadt der Zukunft bauen. Und sie genossen es, wie man auf dem Video zum Projekt sehen kann. Die Jugendlichen führte Leonhartsberger in den Energiepark Bruck. Wie erst kürzlich hier berichtet, zeigte der KEM-Manager im KEM-Leitprojekt SmallWind4Market auch auf, was nötig ist, um Klein-Windkraftanlagen wirtschaftlich zu betreiben zu können – und auch bewilligt zu bekommen.

 

Forscher und Familienmensch. Kurt Leonhartsberger wuchs in Waldhausen im Strudengau auf und lebt auch dort mit seiner Partnerin, zwei Töchtern und einem Sohn zwischen vier und 16 Jahren. Er studierte Medientechnik und Design an der Fachhochschule Hagenberg und holte sich seinen Master an der FH Technikum Wien im Bereich „Erneuerbare Energiesysteme“. „Das Thema hat mich voll gepackt“, beschreibt Leonhartsberger, wie sein Forscherinstinkt erwachte.

 

Und so blieb er am Institut für erneuerbare Energiesysteme, das damals von Hubert Fechner geleitet wurde – „einem der klügsten Köpfe Österreichs“, meint Leonhartsberger, der ihm als Institutsleiter nachfolgte. Doch 2021 wurde ihm das tägliche Pendeln nach Wien zu viel, und Leonhartsberger wechselte zu neoom. Das rasante Wachstum des vor sechs Jahren gegründeten Unternehmens für dezentrale Energielösungen brachte ihm seinem Ziel „mehr Zeit für die Familie“ auch nicht näher. Also kündigte er und machte sich selbstständig. Er ist heute auch ein gern gesehener Gastvortragender bei Veranstaltungen anderer Klima- und Energie-Modellregionen.

 

 

* Die KEM Bezirk Perg umfasst die Gemeinden Arbing, Bad Kreuzen, Dimbach, Grein, Klam, Münzbach, Pabneukirchen, Perg, Saxen, Schwertberg, St. Nikola an der Donau, St. Thomas am Blasenstein, Waldhausen im Strudengau, Windhaag bei Perg. Nun schließen sich auch Baumgartenberg und Mitterkirchen im Machland an.

 

 

Weitere Informationen:

KEM Perg

EGent

Storebility2Market

Car2Flex

 

Modellregion:

KEM Bezirk Perg

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