14.10.2025 – Newsletter-Beiträge – #10/2025

Die Kunst des Klimaschutzes

Frau mit Pinselns vor Gemälde mit Blumen und daneben Frau im Wald beim Sammeln.

KEM-Managerin im Porträt. Seit drei Jahren verpasst Elisabeth Schmidt dem Klimaschutz in der KEM Mühlviertler Alm ein neues Design. Sie möchte Kindern und Jugendlichen öffentlichen Raum geben, in der waldreichen Region den Holzbau  etablieren und landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten wie die Schwammerl wachsen lassen.

Die schon 2009 gegründete KEM Freistadt, aus der 2022 die KEM Mühlviertler Alm hervorging, und der Energiebezirk Freistadt haben beim Thema Photovoltaik-Ausbau ganze Arbeit geleistet. „Die Gemeinden unserer Region haben in den vergangenen 15 Jahren mit dem Photovoltaik-Ausbau auf öffentlichen Gebäuden eine echte Vorreiterrolle übernommen. Heute werden fast 99 Prozent aller kommunalen Gebäude mit Biomasse beheizt – ein Spitzenwert in Oberösterreich. Jetzt gilt es, den nächsten Schritt zu gehen: Wir wollen eine signifikante Effizienzsteigerung der PV-Strom Nutzung in unseren öffentlichen Gebäuden erreichen. Neben dem Aufbau von Energiegemeinschaften entwickeln wir aktuell mit einer Best-Case-Gemeinde eine Speicheroffensive zur strategischen Lastverschiebung. Denn während der notwendige Netzausbau für mehr erneuerbare Energien in unserer Region noch bis 2036 auf sich warten lässt, können wir nicht tatenlos bleiben. Wir brauchen jetzt wirksame und hybride Lösungen, die eine hocheffiziente Energienutzung ermöglichen“, betont Elisabeth Schmidt.

Baustoff vor der Haustür. „In unserer Region liegt der Waldanteil bei 56 Prozent, in den nördlichen Gemeinden sogar bei 70. Damit verfügen wir über eine starke Basis an Waldwirtschaft und Holzhandwerksbetrieben – eine große Chance für den Green-Economy-Bau mit regionalen Ressourcen und hochwertigem Konstruktionsholz, das durch unser raues Klima besonders robust ist“, erklärt die KEM-Managerin. Seit zwei Jahren entwickelt sie in der Mühlviertler Alm ein Holzbaunetzwerk aus regionalen Leitbetrieben entlang der gesamten Wertschöpfungskette, um den kommunalen Holzbau nachhaltig zu stärken. Den Ausgangspunkt für diese Entwicklung bildete vor zweieinhalb Jahren ein erster Open-Space-Prozess. Daraus ging das touristische Biz-up-Leitprojekt „Liabsplaztl“ hervor – ein Tiny Home in Modulbauweise, zu 100 Prozent im Mühlviertel gefertigt, das derzeit in Umsetzung ist.

Schmidt motiviert die KEM-Gemeinden, beim kommunalen Holzbau konsequent dranzubleiben. Öffentliche Ausschreibungen sollen so gestaltet werden, dass Holzbau als zentrales Kriterium eine reale Chance erhält. „Mit der starken Betonlobby in Oberösterreich ist es nicht leicht, eine Speerspitze für den kommunalen Holzbau zu bilden. Derzeit analysieren wir die Prüfprozesse des Kostendämpfungsverfahrens, um daraus zentrale Beratungsschnittstellen für Gemeinden zu entwickeln, eine Schlüsselstelle“, erklärt sie. Unterstützung erhält sie dabei vom Fachberatungsteam von proHolz OÖ.

Parallel dazu wird die Nachwuchsförderung forciert: Holz soll in Schulen als Bildungsschwerpunkt verankert werden – mit speziellen Materialien und Fortbildungen für Pädagog:innen. Ein branchenübergreifender Lehrlingsaustausch sowie ein Holzdesignpreis in Schulen tragen dazu bei, Talente frühzeitig zu fördern und die Attraktivität der Holzberufe zu steigern. Damit wird nicht nur dem Fachkräftemangel begegnet, sondern auch der Abwanderung junger Menschen in andere Regionen entgegengewirkt.

Next generation. Projekte mit Kindern und Jugendlichen liegen Schmidt besonders am Herzen. So errichteten beispielsweise Schüler:innen der MS Unterweißenbach einen Upcycling-Klimaprojektraum und beschäftigten sich intensiv mit ressourcenschonendem und verantwortungsvollem Handeln im Alltag. Gleichzeitig möchte die KEM-Managerin den jungen Menschen Raum für soziale Teilhabe und Anteilnahme schaffen. „Kinder und Jugendliche haben oft tolle Ansätze, sind aber kaum bis gar nicht in den politischen Diskurs mit einbezogen“, so Schmidt.

Beim Projekt „Rural Art“ gelang ihr das sehr gut. Die Marktgemeinde Königswiesen stellte eine 14 mal 2,5 Meter große Wandfläche im Bereich der wichtigsten Bushaltestelle im Ort – in unmittelbarer Nähe zum Schulcampus – zur künstlerischen Gestaltung zur Verfügung. Nach dem Vorbild Wiener Wand kann die Jugend hier nun legal ihrer Kreativität im öffentlichen Raum freien Lauf lassen. Die Murals thematisieren vor allem Natur- und Umweltthemen.

Kinder aufs Rad. Die Kidical Mass bietet nicht nur das Vergnügen des gemeinsamen Radelns im geschützten Rahmen, sondern macht auch auf die Mobilitätsbedürfnisse der Kinder sichtbar. Gerade sie benötigen eine sichere Radverkehrsinfrastruktur, um ihre Wege zur Schule, zu Spielplätzen oder zu Freund:innen und Verwandten mit dem Rad zurücklegen zu können. Schmidt ist die erste KEM-Managerin, die dieses Konzept der Fahrrad-Demos mit und für Kinder in der Region aufgegriffen hat. Denn Radfahren ist nicht nur gesund und klimafreundlich, sondern fördert auch die Motorik und das Gleichgewicht der Kinder, ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstständigkeit.

Die Gemeinde Königswiesen ließ sich davon inspirieren und startete zu Schulbeginn mit engagierten Eltern einen Bicibus. Das heißt, Kinder werden von Erwachsenen mit dem Rad zur Schule und wieder heim begleitet. Damit erhalten auch Kinder, die allein noch nicht auf der Straße radeln dürfen, die Gelegenheit, sich zu bewegen. Ausgangspunkt sind Haltestellen in den verschiedenen Siedlungen der Gemeinde. Mit dabei beim Bicibus ist auch ein Lastenfahrrad, das für den Schultaschentransport sorgt.

Leerstandsnutzung mit Pilzanbau. Schon seit ihrer Kindheit gilt Elisabeth Schmidt als „wandelndes Pilzlexikon“. Naheliegend also, dass sie ein Pilzzuchtprojekt in leerstehenden Gebäuden ins Leben rief. Grundlage dafür waren die erprobten Anbauverfahren der Waldviertler Edelpilzzucht Myzet, die sie für ihre Region adaptierte: Ein praxisnahes Konzept, mit dem Landwirt:innen leerstehende Hofgebäude rasch für den Edelpilzanbau in Eigenregie umbauen können. Mit dem richtigen Substrat und einigen einfachen Vorkehrungen, um Schimmelpilzbefall zu vermeiden, lässt sich die Zucht unkompliziert starten.

„Edelpilze liefern im Sommer wie im Winter eine pflanzliche Eiweißquelle, die sich in kurzer Zeit kultivieren lässt. Auf nur 70 Quadratmetern sind im Vollbetrieb bis zu zwei Tonnen Pilze pro Monat möglich – eine echte Fleischalternative. Derzeit erzielen erste Landwirt:innen in leerstehenden Hoftrakten ihre ersten Ernten. Der nächste Schritt ist der Bau einer Substratpresse für die Selbstherstellung der Pilzbags – die Pläne für einen Prototypen liegen bereits vor. „Das perfekte Winterprojekt für die hauseigene Familienschlosserei, nächsten Frühling wissen wir, ob sie funktioniert und als mobile „Wanderpresse“ zum Einsatz kommt“, sagt Schmidt.

Mikrologistik. Parallel werden neue Absatzwege für Edelpilze sondiert, denn mehrere Tonnen Pilze benötigen eine gute Frischlogistik und regionale Großabnehmer wie die Gastronomie. „Dazu braucht es digitale Schnittstellen, die für Landwirtschaftsbetriebe einfach integrierbar sein müssen. Hier sind wir an den notwendigen Entwicklungen dran“, so Schmidt. Denn gerade in der landwirtschaftlichen Direktvermarktung stellen die Kosten für die Logistik ein entscheidendes Problem dar. Auch hier setzt die KEM-Managerin auf innovative Lösungen. Sie zählt mit zu den treibenden Kräften im Mühlviertel, die sich um den effizienten Aufbau einer mikrologistischen Versorgungskette für landwirtschaftliche Betriebe einsetzen.

Künstlerische Ader. Elisabeth Schmidt hat ein Diplom in Mode und Design sowie einen Masterabschluss in psychosozialer Beratung. Seit rund 20 Jahren führt sie ihr eigenes Unternehmen mit Schwerpunkt auf Innenarchitektur für touristisch genutzte Erlebnisräume. Besonders gefragt sind ihre Redesign-Konzepte für Hotelumbauten, bei denen sie alte Bausubstanz behutsam revitalisiert und in neue Erlebnisräume verwandelt.

Ihre künstlerische Leidenschaft begleitet sie seit ihrer Jugend. Sie holt mit großflächigen botanischen Wandmalereien die Natur ins Gebäude.

Heute lebt sie zurückgezogen an der tschechischen Grenze nahe Windhaag bei Freistadt. Ihre beiden Kinder sind inzwischen erwachsen – nun widmet sie sich zehn kleinen „Pflegekindern“: den Raupen des Schwalbenschwanz-Schmetterlings. Jahr für Jahr zieht sie diese bis zur Verpuppung groß und entlässt die Falter im Frühling zu ihrem Hochzeitsflug. Die Zucht ist ihr persönliches Herzensprojekt, die Wiederansiedelung ihr Ziel. Wer die farbenprächtigen Schmetterlinge unterstützen möchte, kann im eigenen Garten Wilde Möhre, Fenchel oder Dill pflanzen – die Lieblingsspeisen der Raupen. Alles andere wird von ihnen verschmäht.

 

* Zur Klima- und Energie-Modellregion Mühlviertler Alm zählen die Gemeinden Bad Zell, Kaltenberg, Königswiesen, Liebenau, Pierbach, Schönau im Mühlkreis, St. Georgen am Walde, St. Leonhard bei Freistadt, Unterweißenbach und Weitersfelden.

 

Weitere Informationen:

KEM Mühlviertler Alm

Mühlviertler Alm

Modellregion:

Mühlviertler Alm

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