15.07.2026 – Newsletter-Beiträge – #2/2026

Die Möglich Macher:innen

Von Robert Koch
Gewinner:innen der KEM Wahl 2026 mit Klimafonds GF Bernd Vogl

Die Auszeichnungen „KEM-Managerin des Jahres 2026“ und „KEM-Manager des Jahres 2026“ wurden bei der diesjährigen KEM-Hauptveranstaltung in Bad Schallerbach verliehen. Wir haben mit den Gewinner:innen gesprochen.

Erstmals gab es zwei Preise in der Kategorie. Sie gingen an die Modellregionsmanager:innen Stephanie Steinböck (KEM Inn-Hausruck) und Stefan Czamutzian (KEM Wagram). Wir haben die beiden engagierten KEM-Manager:innen zum Gespräch gebeten: über die Rolle als „Kümmerer“, Herzensprojekte und Herausforderungen.

Koordinieren und ermöglichen. Während sich der studierte Forstwirtschaftler Stefan Czamutzian schon seit 2017 in der Region in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz engagiert, ist die Biologin Stephanie Steinböck mit viereinhalb „Dienstjahren“ vergleichsweise neu. Beide gemeinsam haben sie ihr brennendes Interesse und Engagement für Nachhaltigkeit, spätestens seit dem Studium. „Ich sehe mich als Vernetzer und Kümmerer in der Region, der die Projekte koordiniert und gemeinsam mit allen Stakeholdern zur Umsetzung bringt“, beschreibt Stefan Czamutzian seine Rolle als KEM-Manager. Auch für Stephanie Steinböck steht das „Zusammenbringen, Koordinieren und Ermöglichen, dass Projekte entstehen“ im Vordergrund. Sie freut sich, dass sie mit der Betreuung der aktuell zehn Gemeinden der KEM Inn-Hausruck tagtäglich „Arbeit mit Sinn“ findet.

Die Herzenspojekte. Die Liste der abgeschlossenen Projekte in beiden Regionen ist lang. Unter den vielen umgesetzten Maßnahmen sind für Czamutzian aus jüngster Vergangenheit vor allem Bürgerbeteiligungsmodelle für erneuerbare Energien zum Herzensprojekt geworden: „Ganz aktuell haben wir auf diese Weise  für den Fußballverein in Kirchberg am Wagram eine PV-Anlage auf dem Vereinsgebäude samt Speicher realisiert – ermöglicht durch die Finanzierung der eigenen Vereinsmitglieder. Bei solchen Projekten zeigt sich das große Engagement in der Bevölkerung.“

Dass Bürgerbeteiligungsmodelle in der Region zum Erfolgsmodell geworden sind, zeigen steigende Kapazitäten: Die Stromgewinnung aus Photovoltaik (PV) in der Region hat massiv an Fahrt aufgenommen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor waren sechs Bürgerbeteiligungsmodelle, die drei Gemeinden unter Beteiligung der KEM und mit Unterstützung der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich (eNu) seit 2019 umgesetzt haben. Die Bürgerinnen und Bürger konnten dabei über 2.000 PV-Module mit insgesamt 550 Kilowatt-Peak (kWp) Leistung von den Gemeinden erwerben, die auf Dächern von Schulen, Bauhöfen oder in Kläranlagen errichtet wurden. Für das Leasing dieser Paneele an die Gemeinden erhalten die Bürger:innen neben der Rückzahlung auch einen „Sonnenbonus“ in Form einer attraktiven Verzinsung. Personen, die selbst keine PV-Anlagen errichten können, konnten sich so ebenfalls an der Energiewende beteiligen.

Auch in der KEM Inn-Hausruck sind erneuerbare Energien und Energiegemeinschaften wichtige Themen. Die Software „EEG-Faktura“, die mit finanziellen Mitteln von LEADER entwickelt wurde und aus der regionalen Zusammenarbeit mehrerer KEM- und LEADER-Regionen entstanden ist, wird inzwischen von 630 EEGs, BEGs und GEAs in Österreich genutzt. Neben der Koordination und organisatorischen Unterstützung hat man auch viel Bewusstseinsarbeit betrieben, beispielsweise im Rahmen regelmäßiger Multiplikator:innenen-Treffen mit Expert:innen. So bietet beispielsweise das EEG-Forum in der Gießerei Ried Raum für Information, Erfahrungsaustausch und Vernetzung der Community.

Junge Inspiration. Stephanie Steinböck ist auch die Bewusstseinsbildung unter den Jüngsten ein besonders großes Anliegen. Sie berichtet von einer breiten positiven Resonanz zum zweiten Klimaschulenprojekt in der Region: „Die teilnehmenden Schulen planen Aktionen, Workshops und Exkursionen“, sagt sie und nennt als Beispiel eine Vernissage von Schüler:innen zum Thema „Kunst trifft Klima“. Und weiter: „In der Rolle als Energiedetektiv:innen haben Jugendliche im BORG Ried mit einem Energieberater und dem Hausmeister Stromfresser in ihrer Schule identifiziert. Mit dieser Aktion konnten die Schüler:innen immerhin 7000 Euro Einsparpotenzial finden“, lobt sie die Praxisnähe in den Klimaschulen.

Auch Czamutzian schätzt die Arbeit mit jungen Menschen, wenn er vom Projekt „Wagram Synergien“ erzählt. Finanziert aus Mitteln der TIKS-Förderung (Technologien und Innovationen für die klimaneutrale Stadt), haben Student:innen der Technischen Universität Wien den Leerstand in der Region erhoben und beispielsweise analysiert, wie eine Mikroenergieversorgung funktionieren kann. „Es ist inspirierend, wie in solchen Projekten die Themen neu gedacht werden“, sagt Czamutzian. So schufen die Student:innen sogenannte Synergie-Cluster: Leerstandsaktivierung, bauliche Adaptierungen unter Nutzung von Recycling-Materialien, gemeinschaftliche Energienetze und die Aufwertung öffentlicher Räume wurden zusammen gedacht, um Orte zu schaffen, die räumliche, energetische und soziale Innovationen verbinden. Als erste Schnittstelle hatte hier der KEM-Manager eine zentrale Rolle und übersetzte die Projektidee in konkrete regionale Maßnahmen, identifizierte geeignete Ortskerne und koordinierte die Abläufe zwischen Gemeinden und Steakholder:innen. Aus den erfassten Daten und Ideen sei man bereits in weitere Gespräche mit den Gemeinden und Eigentümer:innen getreten, um an konkreten Entwicklungen, wie zum Beispiel der Dekarbonisierung bestehender Gebäude durch Transition, zu arbeiten. Außerdem haben inzwischen vier Ausstellungen mit Bürger:innenbeteiligung zum Thema stattgefunden, und insgesamt 21 ausgearbeitete Projektvisionen für vier Ortskerne sowie eine Projektzeitung machen die Ergebnisse von „Wagram Synergien“ sichtbar. Ein zentrales Outcome ist auch das skalierbare Konzept eines Synergiezentrums, das die Reaktivierung von Leerständen, gekoppelt mit gemeinschaftlicher Energienutzung und neuen sozialen Funktionen, beschreibt.

Aktueller Schwerpunkt: aktive Mobilität. Beide Regionen und beide KEM-Manager:innen haben für dieses Jahr einen großen Schwerpunkt gesetzt: aktive Mobilität. Das bedeutet, Zu-Fuß-Gehen und Radfahren sollen attraktiver werden. Unter dem Stichwort Alltagsradfahren haben die zwei Regionen verschiedene Maßnahmen und Aktionen geplant.

„Wir haben alternative Wege erhoben, die als Radrouten in Frage kommen, zum Beispiel Güterwege und Nebenstraßen. Derzeit arbeiten wir daran, diese Routen in regionalen Apps und Karten verfügbar zu machen. Das braucht einen langen Atem. Die Integration ist schwieriger als gedacht“, sagt Stefan Czamutzian und ergänzt: „Gut, dass es unser Netzwerk aus KEM-Manager:innen gibt, das immer motiviert, dranzubleiben.“

Auch für Stephanie Steinböck ist Alltagsradfahren ein großer Schwerpunkt: „Aktuell planen wir ein gemeindeübergreifendes Alltagsradwegenetz, das 122 Gemeinden in vier Bezirken umspannt. Außerdem geht es auch bei diesem Thema um starke Bewusstseinsbildung mit Aktionen wie Alles radlbar, die zur Alltagsmobilität mit dem Fahrrad einlädt, mit Reparaturstationen, Seniorentagen, oder dem Projekt „Rieder Radheldinnen – Ein Fahrradkurs für Migrantinnen.“

Gemeinsam Großes bewirken. Gerade bei solchen Projekten sehe man, wie die KEM „regional wirkt“, ist Steinböck überzeugt und sagt: „In vielen Punkten baut unser Erfolg auf der guten Zusammenarbeit mit starken regionalen Partner:innen auf. Dazu zählen die Gemeinden, ebenso wie benachbarte KEM und LEADER Mitten im Innviertel. In Kooperation können Projekte größer gedacht und besser umgesetzt werden.“ Und für Stefan Czamutzian gilt: „Viele kleine Dinge ergeben zusammen etwas Großes.“

Wenn es um Zusammenarbeit geht, loben auch beide KEM-Manager:innen das Netzwerk der KEM-Community. „Der Austausch mit den Kolleg:innen ist die beste Möglichkeit für Wissenstransfer und um Erfahrungen zu teilen“, ist Steinböck sicher. Einen weiteren Tipp für alle, die sich engagieren, hat Stefan Czamutzian aus seiner jahrelangen Erfahrung parat: „Ich arbeite am liebsten mit einer Art ‚Koalition der Willigen‘. Oft braucht es nur einen Anstoß, um ein Thema ins Rollen zu bringen. Die größten Skeptiker muss man aber nicht überzeugen. Viel wichtiger ist es, gemeinsam mit anderen Motivierten echte Veränderungen zu bewirken – und damit wiederum weniger Überzeugte mitzureißen.“

 

Weitere Informationen:

KEM Inn-Hausruck

KEM Wagram

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