KEM-Projekt des Jahres. Die Gemeinden im vorderen Bregenzerwald (Vorderwald) versorgen ihre Schul- und Kindergartenkinder mit hochwertigen, frisch gekochten Mittagsmenüs aus regionalen Zutaten, überwiegend in Bioqualität. Schullokale mit hoher Aufenthaltsqualität machen das Mittagessen zur Erholungspause in einer Atmosphäre der Gastlichkeit.
Landauf, landab wird über gesunde Ernährung in Bildungseinrichtungen diskutiert. Die neun Gemeinden der KEM Vorderwald sind gemeinsam mit Modellregions-Managerin Monika Forster zur Tat geschritten und haben langfristige nachhaltige Strukturen geschaffen. Sie bündeln ihre Kräfte, stärken regionale Lieferant:innen und tragen über den Multiplikationsfaktor Schule zur Bewusstseinsbildung bei – auch in Form eines Küchenparlaments und in den Ernährungsteams.
Schon 2019 machte Forster die Frischeküche zum Thema: Wie kann mehr von dem, was in der Region produziert wird auch auf den Tellern der Region landen? Denn das spart bekanntlich CO2-Emissionen für den Transport, schafft regionale Wertschöpfung und serviert frisch geernteten Genuss. Die KEM-Gemeinden* im Vorderwald erkannten ihren Handlungsspielraum und nahmen die Mittagsverpflegung selbst in die Hand – mit dem Ziel, Mehr-Werte zu schaffen. Durch die Kombination mit LEADER-Mitteln konnten vorhandene Ressourcen optimal genutzt werden.
Gutes Rezept. Monika Forster holte im Rahmen von zwei LEADER-Projekten mit Dietmar Hagen und Thomas Urban (Essenszeit) zwei Vollprofis für hochqualitative Gemeinschaftsgastronomie mit an Bord, die wertvollen konzeptionellen Input lieferten. „Sie gaben beim Schulneubau in Hittisau die Initialzündung, dass statt der ursprünglich geplanten Aufwärmküche eine Produktionsküche eingebaut wurde. So bekommen die Schüler:innen nun seit 2022 frisch gekochte Speisen statt aufgewärmter Kost“, freut sich Forster.
In der Zwischenzeit haben sich die Vorderwald-Gemeinden zu einem LOKAL-Verbund zusammengeschlossen. Gekocht wird in den „Frischeküchen“ Doren, Hittisau und Lingenau mit einheitlichen Standards: Verzicht auf stark verarbeitete Lebensmittel (Convenience-Produkte), keine Suppen- und Soßenpulver, pflanzenbasiert, mit viel Abwechslung. Das Kochhandwerk steht im Mittelpunkt des Handelns.
Essen als Erlebnis. Die drei Schulküchen versorgen 21 Kindergärten, Volks-, Mittel- und Polytechnische Schulen im Vorderwald. Dabei wird zum Schutz der Vitamine auf möglichst kurze Warmhaltezeiten geachtet. In den Schulen wird nicht einfach ausgespeist, sondern jeder Teller mit einem i-Tüpfelchen angerichtet. Die Schullokale sind pädagogische Orte und strahlen bis in die Familie, da eine Beziehung von den Lieferant:innen über die Zubereitung bis hin zum Gesundheitsthema hergestellt wird.
„Überall wo Kinder etwas selbst erleben können, nehmen sie viel für sich mit. Das kann man zum Beispiel im Schulgarten Hittisau beobachten, wo die Kinder das Gemüse nicht erst auf dem Teller kennenlernen“, erklärt Forster. Unter anderem besuchen die Küchenteams, das Essensausgabepersonal sowie die Zuständigen in der Verwaltung landwirtschaftliche Betriebe und vernetzen sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch und zur Weiterentwicklung der Küchen.
Knapp kalkuliert. 6,30 Euro kostet die Eltern ein Mittagessen in den Schullokalen im heurigen Schuljahr. Eltern können ihre Kinder online anmelden. Auf derselben Website werden auch die wöchentlichen Speisepläne veröffentlicht. Die Gemeinden erhalten Unterstützung vom Land Vorarlberg (Kinder.Essen.Körig). Dort rechnet man, dass man im auslaufenden Schuljahr rund 900.000 „körige“, also anständige Mittagessen an rund 180 Vorarlberger Schulen servieren kann. In der Energieregion Vorderwald werden aktuell rund 1.400 Mahlzeiten pro Woche gekocht.
Was durch Essensrechnungen und Förderung nicht hereinkommt, zahlen die eng miteinander kooperierenden Gemeinden selbst dazu. Doch die Schullokale schufen und sichern auch etliche lokale und regionale Arbeitsplätze in den Schulküchen und der Landwirtschaft. „Die klein strukturierten Schullokale harmonieren perfekt mit den klein strukturierten Erzeugungsstrukturen – wie Topf und Deckel“, so Forster. Und die Gesundheit der Kinder ist ohnedies unbezahlbar.
Dritte Auszeichnung. Am 19. Mai kürten die österreichischen KEM-Manager:innen in Bad Schallerbach bei ihrer jährlichen Hauptveranstaltung LOKAL-Schullokal zum KEM-Projekt des Jahres 2026. Damit holt Monika Forster diese Auszeichnung nach 2020 (Paris–Vorderwald) als erste KEM-Managerin zum zweiten Mal in ihre Region – 2020 wurde sie auch zur KEM-Managerin des Jahres gewählt. Der Klima- und Energiefonds gratuliert herzlich.
* Die KEM Vorderwald umfasst die Gemeinden Doren, Hittisau, Krumbach, Langen bei Bregenz, Langenegg, Lingenau, Riefensberg, Sibratsgfäll und Sulzberg.
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