15.07.2026 – Newsletter-Beiträge – #2/2026

„Feldversuch“ in Feldkirch

Von Robert Koch
begrünter Platz in Magdalenastr. in Feldkrich

Welche nachhaltigen Konzepte in der Praxis aufgehen, untersucht die Pionierstadt Feldkirch in Vorarlberg in einer konkreten Quartiersentwicklung.

Seit 2021 ist die Klimaneutralität bis 2040 in Feldkirch beschlossene Sache. Als Mitglied in einer KEM- und KLAR!-Region bekennt sich die Vorarlberger Kleinstadt zur regionalen Entwicklung nachhaltiger Energiekonzepte und klimaneutraler Mobilität.

Feldlabor Magdalenastraße. Wie solche nachhaltigen Konzepte in der Praxis aufgehen können, untersucht die Pionierstadt Feldkirch derzeit ganz konkret in einer Quartiersentwicklung, und zwar im Bestandsquartier rund um die Magdalenastraße. Hier sollen unter Einbeziehung aller Akteur:innen Energiebedarf und -effizienz optimiert und nachhaltige Mobilität ermöglicht sowie die Eignung zur Nachverdichtung und solaren Gebäudenutzung überprüft werden.

„Wir befinden uns noch in der Phase der Bestandsanalyse, die sich aufgrund fehlender Baupläne verzögert hat“, erklärt die Leiterin des Pionierstadt-Projekts, Christina Connert. „Eine weitere Herausforderung stellt die diverse Anrainerstruktur mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen dar.“

Komplexe Lösungen für komplexe Strukturen. Neben einer Gärtnerei, einem landwirtschaftlichen Betrieb und mehreren Wohneinheiten befinden sich in dem Stadtquartier auch die Feuerwehr, ein Kindergarten und ein Senior:innenheim mit einer Großküche im Erdgeschoss. Genau hier wird deutlich, wie komplex das Thema Energiemanagement im Bestand sein kann: Ein Mikronetz versorgt sechs Gebäude des Quartiers mit Nahwärme. Dieses wird im Winter mit Hackschnitzeln und im Sommer aktuell mit Öl geheizt, denn trotz des hohen Warmwasserverbrauchs in der Großküche der Senior:innenbetreuung ist der Wärmebedarf im Netz zu gering für den Betrieb des Biomassekessels. Die Abwärme des Kühlhauses ist bereits Teil des vorhandenen Energiesystems. Eine Optimierung der Abwärmenutzung wäre zwar möglich, könnte den sommerlichen Warmwasserbedarf jedoch nicht zur Gänze decken.

Eine Wärmepumpe, betrieben mit Photovoltaik, wäre aus klimarelevanter Sicht der beste Ersatz, aber: „Wir müssen bei dieser Entscheidung unbedingt die Netzstabilität mitdenken“, erklärt Connert, „damit wir auch langfristig die nachhaltigste Lösung finden.“ Sowohl Luft- als auch Erdwärmepumpen befänden sich dahingehend nun in Prüfung. Auf Grund hoher Netzverluste wird auch über eine Sanierung des Wärmenetzes nachgedacht.

Bevölkerung testet live. Auch Lösungen für nachhaltige Mobilität werden geprüft. Allerdings nicht nur von Expert:innen, sondern insbesondere von Anrainer:innen und Interessierten vor Ort. So wird im Rahmen der Architekturtage ein Straßenabschnitt im Bestandsquartier für Fahrzeuge gesperrt und auf diese Weise direkt getestet, wie der „Feldversuch“ bei der Bevölkerung ankommt und sich auf den Verkehrsfluss auswirkt.

Mit der Bevölkerung sei man generell in gutem Austausch, berichtet die Projektleiterin. Und obwohl die Stimmung aufgrund der multiplen globalen Krisen allgemein schon besser war, blicke man zuversichtlich in die Zukunft.

Die Maßnahmen und fundierten Analysen im Quartier sowie die daraus erzielten Erkenntnisse sollen skalierbar sein und Learnings für andere Stadtentwicklungen und Quartiere liefern – und damit einen wesentlichen Beitrag zur Klimaneutralität der Stadt Feldkirch leisten.

Weitere Informationen:

Feldkirch – Orte von Morgen

Quartiersentwicklung Magdalenastraße

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