Welche Gemeinsamkeit haben Österreichs erste energieautarke Abwasserpumpstation und die Erstellung eines langfristigen Energieleitbilds? Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg!
Energieprojekte betreffen oft viele Stakeholder:innen. Damit es zur Umsetzung kommt, braucht es Konsens. Die beteiligten KEM-Manager:innen vermitteln, kümmern sich und sind als Möglichmacher:innen gefragt.
Pionierprojekt in Baden. Die KEM und Pionierstadt Baden hat gemeinsam mit den zuständigen Behörden und Abteilungen die erste energieautarke Abwasserpumpstation Österreichs realisiert. Betrieben wird sie zu 100 Prozent mit PV-Strom. Dank eines 300-kWh-Stromspeichers ist der Betrieb auch im Fall eines Blackouts möglich. Bei fehlendem Sonnenlicht springt ein Generator ein, der den Strom vom Speicher bezieht.
Da es am Pumpenhaus für die benötigte PV-Anlage mit 75 kWp nicht genügend Dachfläche gibt, ist die Stadt Baden mit der Alpenland AG in Kontakt getreten, um den Platz auf deren benachbarter Wohnhausanlage für die PV-Paneele nützen zu dürfen. Möglich ist das über die Vertragsraumordnung.
Große Wirkung. „Dank einer günstigen Förderlandschaft konnte die Anlage 2024 in Betrieb gehen“, erklärt Gerfried Koch, Leiter des Klima- und Energiereferats und KEM-Manager in Baden. Seit 2025 ist die Anlage auch Teil der Energiegemeinschaft Baden. Sie versorgt nicht nur die Abwasserpumpe mit rund 40.000 kWh Solarstrom, sondern liefert auch 30.000 bis 40.000 kWh Strom an die Energiegemeinschaft.
Auch ein Folgeprojekt hat sich ergeben. Im Mai 2026 hat zum ersten Mal das Speichersymposium in Baden stattgefunden, bei dem die KEM Baden nicht nur für die Organisation zuständig war, sondern auch ihre Expertise aus dem Pumpenprojekt einbringen konnte.
„Auf Grund der Zusammenarbeit über Abteilungen hinaus und der Größe des Projektes war die umfassende, laufende und transparente Kommunikation von Beginn an unverzichtbar. Insbesondere bei Energieprojekten ist frühzeitige Information und Kommunikation wichtig – vor allem mit den Netzbetreibern“, sagt Koch.
Synergien für den Pinzgau. Ein ganz anderes Energieprojekt erforderte ebenfalls ein hohes Maß an Koordination sowie Informations- und Kommunikationsarbeit: das „Energieleitbild Pinzgau 2040“. Es schafft einen strategischen Rahmen für den Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energie bis 2040. Basierend auf Ergebnissen der Studie 100 % Erneuerbarer Pinzgau aus dem Jahr 2021 haben die KEM Pinzgau Nationalparkregion und die KEM nachhaltiges Saalachtal das Energieleitbild gemeinsam auf Schiene gebracht.
„Die größte Herausforderung in diesem Prozess war das Herunterbrechen von globalen Zielen auf konkrete, gemeindebezogene Ziele und die Berücksichtigung von spezifischen Gemeindeinteressen dabei“, erklärt Lukas Pertl, Projektmanager bei der KEM Pinzgau Nationalparkregion. Immerhin galt es, die Interessen und Anliegen aller 28 Pinzgauer Gemeinden einzuholen und in mehreren Feedbackrunden zu koordinieren.
Diskurs schafft Akzeptanz. Für Brigitte Eder, KEM-Managerin im „nachhaltigen Saalachtal“ ist klar: „Alle Anliegen und Forderungen von Seiten der Gemeinden müssen ernst genommen und alle Rückmeldungen müssen zur Diskussion gestellt werden, damit sich jeder gehört, verstanden und berücksichtigt fühlt. Nur so werden das Energieleitbild akzeptiert und die Maßnahmen zukünftig auch unterstützt und umgesetzt.“ Auch die Bürgermeister:innenkonferenz, das Referat Energiewirtschaft und -beratung Salzburg, das Salzburger Institut für Raumordnung und die Regionalentwicklung Pinzgau waren an dem Prozess beteiligt.
Herausgekommen ist ein konkreter Leitfaden mit Handlungsvorschlägen und Maßnahmen zur Erreichung der Klimaneutralität – zugeschnitten auf die Region, aber auch beispielgebend für andere Gemeinden. „Als direkte Folge dieses bezirksweiten Leitbilds haben sich bereits Gemeinden dazu entschlossen, ein gemeindeinternes Leitbild davon abzuleiten und zu verfassen“, freut sich Pertl. Durch das Auftreten als „Klimateam Pinzgau“ konnten Synergien aus beiden KEMs genützt werden. Diese seien in der täglichen Arbeit auch weiterhin sichtbar.
Sowohl das Abwasserpumpen-Projekt aus Baden als auch das „Energieleitbild Pinzgau 2040“ waren für das KEM-Projekt des Jahres 2026 in der Kategorie „Energie“ nominiert.
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