11.09.2026 – Newsletter-Beiträge – #03/2026

KLAR!-Manager:innen leisten Pionierarbeit

Von Karin Bornett
Infotafel auf Feld

Die KLAR!-Gewinner:innen 2026 stehen fest. Wir haben mit ihnen über Leuchtturmprojekte, regionale Schwerpunkte und Herausforderungen gesprochen.

Die KLAR!-Managerin, der KLAR!-Manager 2026 und das KLAR!-Projekt des Jahres stehen fest. Wir haben mit den Preisträger:innen – Katja Weirer, Martin Gebeshuber und René Siener – gesprochen.

Die ausgebildete Umweltpädagogin und Ökologin Katja Weirer von der KLAR! Naturpark Ötscher-Tormäuer ist seit mehr als zehn Jahren beim Naturpark Ötscher-Tormäuer in der Umweltbildung und dem Projektmanagement tätig. Die Auszeichnung zur KLAR!-Managerin des Jahres 2026 bestätigt ihre Arbeit und ihre Einstellung.

„Klimaschutz ist für mich persönlich Lebensraumschutz und eng mit der Biodiversität verknüpft. Eine Wende wird nur gelingen, wenn wir verschränkte Lösungen finden und nicht einen Bereich separat betrachten. Nachhaltigkeit ist eine Grundeinstellung und sollte keine leere Worthülse sein“, ist Weirer überzeugt.

KLAR!-Regionsmanager und Biodiversitätsexperte der KLAR! Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen und KLAR!-Manager des Jahres 2026, Martin Gebeshuber ergänzt: „Man darf nicht versuchen, die Menschen mit der ideologischen Brechstange zu überzeugen. Viel wichtiger ist es, dass die Menschen in den Regionen spüren, dass man gemeinsam mit ihnen an praktikablen Lösungen arbeitet. Genau darin liegt eine der großen Stärken der KLAR!-Managerinnen und -Manager.“

Im Dialog mit Zielgruppen. Für Katja Weirer ist ein „konsequent partizipativer Ansatz“ wichtiger Teil ihrer Arbeit. Im Naturpark Ötscher-Tormäuer zählt die Landwirtschaft zu den wichtigsten Stakeholdern. Deshalb sei die Beschäftigung mit Parasiten auf der Alm und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Almwirtschaft ein bedeutendes Projekt für die Region.

„Nicht nur weil das Thema immer wichtiger wird, sondern weil wir damit auch direkten Zugang zu Landwirt:innen erhalten und in weiterer Folge neue Projekte entwickeln können“, erklärt Weirer. Dabei wurden auf drei Versuchsalmen Wetterstationen zur Messung von Niederschlag und Temperatur installiert, um so gezielter Rückschlüsse auf die Verbreitung beziehungsweise das Vorhandensein von Parasiten ziehen zu können. Auf den Versuchsalmen finden auch Fortbildungen für Landwirt:innen zum Thema statt.

Guten Anklang finden weiters die KLAR! Naturpark-Gespräche, berichtet die Regionsmanagerin. Dabei werden verschiedene Themen in entspannter Atmosphäre aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, beispielsweise „Winter ohne Schnee“ oder die Auswirkungen des Klimawandels auf die Naturnacht. Ziel dabei sei der offene Austausch und der Dialog von scheinbar gegensätzlichen Seiten.

„Im neuen Konzept für die Weiterführung II werden neben der Landwirtschaft auch Gesundheit und der Umgang mit Hitze sowie vermehrt das Thema Naturgefahren im Fokus stehen“, kündigt Weirer an.

Schwerpunkt Wald. Mit Naturgefahren beschäftigt man sich auch in der Steiermark intensiv. Als eine der waldreichsten Regionen Österreichs mit einem Waldanteil von nahezu 80 Prozent „stoßen im Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen die Maßnahmen in den Aktivitätsfeldern Wald- und Forstwirtschaft sowie Landwirtschaft auf große Zustimmung“, so Martin Gebeshuber.

Ein wichtiges Leuchtturmprojekt sei etwa Waldbrandprävention über Generationen hinweg. Ziel war es, das Bewusstsein für die zunehmende Waldbrandgefahr in allen Altersgruppen zu stärken und die Handlungskompetenz der Bevölkerung zu erhöhen. Dazu wurde eine groß angelegte Waldbrandübung im Siedlungsgebiet durchgeführt, bei der Einsatzkräfte und Bevölkerung praxisnah für den Ernstfall sensibilisiert wurden. Ergänzend fanden Informationsvorträge für Erwachsene sowie Workshops mit Schülerinnen und Schülern der Mittel- und Volksschule statt.

In näherer Zukunft sei ein „Baumbasar“ für private Waldbesitzer:innen der Region geplant. Im Rahmen der Veranstaltung werden insgesamt 3.500 Forstpflanzen an die anwesenden Waldbesitzer:innen ausgegeben. Darüber hinaus stehe die Fertigstellung der Wanderausstellung „Wald & Wild“ kurz bevor. Bereits beliebt seien die drei Schaugärten, „die wir jedes Jahr gemeinsam mit den Schulen bepflanzen. Diese Projekte machen nicht nur den Schülerinnen und Schülern viel Freude, sondern bereiten auch mir jedes Mal großen Spaß“, erzählt der Regionsmanager.

Kreative Lösungen für Klimawandelanpassung. Mit dem Projekt des Jahres 2026 wurde die Initiative der KLAR! Klimafittes Sulmtal und Sausal „Landwirtschaft im Wandel – Erdnüsse aus dem Sulmtal und Sausal“ ausgezeichnet. Als Anpassung an die Klimaerwärmung und um die Machbarkeit unter realen Bedingungen zu testen, wurden auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern Erdnüsse in der Steiermark angebaut – auf einem Acker mit sandigem Boden, damit keine Staunässe entstehen kann.

„Da der Erdnussanbau in Österreich und im deutschsprachigen Raum zum Zeitpunkt der Projektidee nicht wirklich kommerziell betrieben wurde und der Anbau für Forschungszwecke ausschließlich per Hand erfolgte, mussten zahlreiche Informationen aus der Versuchsanstalt für Spezialkulturen in Wies als auch aus dem italienischen Raum eingeholt werden, da dort der Erdnussanbau vor Jahrzehnten sehr verbreitet war“, erklärt KLAR!-Manager René Siener.

Begonnen mit der Saatgutbeschaffung in der Schweiz über schwierige Wetterverhältnisse in der Wachstumsphase bis zur Ernte der Erdnüsse ab Ende Oktober – der Weg zu einer reichen Ernte war nicht einfach. Da es keine speziellen Maschinen für den Erdnussanbau gab, mussten die Beteiligten kreativ werden: Geerntet wurde mit dem Kartoffelroder, getrocknet in einer Trocknungsanlage für Kürbiskerne.

Über den Ertrag von 200 Kilogramm Erdnüssen konnten sich am Nikolaustag die Kinder in den Kindergärten und den Volksschulen ebenso freuen wie Passant:innen auf den Dorfplätzen der Region, wo sie mit einem Hinweis zum Projekt kostenlos verteilt wurden.

„Aufgrund der Erkenntnisse aus dem ersten Anbau konnten im zweiten Jahr zahlreiche Erleichterungen abgeleitet werden“, sagt Siener. 2027 sei wieder der Anbau von Erdnüssen in der KLAR! geplant. Derzeit werden sie aber auch in Gemeinden angepflanzt, die an die KLAR! Klimafittes Sulmtal und Sausal angrenzen und von den Erfahrungen profitieren. Deren Ernte wird im landwirtschaftlichen Hofladen vertrieben. „Der Anbau funktioniert laut letzten Informationen sehr gut, wobei hier auch noch an den richtigen Erntemaschinen getüftelt wird. Oftmals braucht es einfach nur einen Anstoß, um zu zeigen, was alles möglich ist“, so der Regionsmanager. „Wir sind bereits am Recherchieren, welche weiteren Kulturen aufgrund der klimatischen Veränderungen mittlerweile bei uns gedeihen könnten.“

Über Teamarbeit und Motivation. Mit ihrer Arbeit leisten die KLAR!-Manager:innen einen wichtigen Beitrag zur Realisierung von Pionierprojekten wie diesen. Das wichtigste Instrument in der Regionalentwicklung generell ist für alle Preisträger:innen das Netzwerk. Mit Menschen der Region in Kontakt zu treten, Herausforderungen zu definieren und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, sei ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

„Maßnahmen, die aus und mit der Region entstanden sind, bringen mehr und sind leichter und mit größerer Motivation umzusetzen. Ganz wichtig ist es, sich Partner:innen zu suchen. Im Team bringt man mehr weiter und es ist einfach schöner zu arbeiten“, meint Katja Weirer.

Martin Gebeshuber ist überzeugt: „Das Wichtigste sind eine gute Vernetzung, das Nutzen von Synergien und ein fundiertes Verständnis der kommunalen Abläufe. Nur wer weiß, wie Gemeinden funktionieren und verschiedene Akteur:innen zusammenbringt, kann Projekte erfolgreich umsetzen und nachhaltige Veränderungen bewirken.“

Weitere Informationen:

KLAR! Naturpark Ötscher-Tormäuer

KLAR! Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen

KLAR! Klimafittes Sulmtal und Sausal

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