Temperaturrekorde, heftige Gewitter, Starkregen – der Sommer hat es wieder in sich. Die Pionierstadt Feldbach erstellte einen konkreten Maßnahmenkatalog und langfristige Pläne für mehr Hitzeresilienz.
29 Grad Morgentemperatur und bis zu 40 Grad tagsüber – in ganz Österreich gab es Hitzerekorde schon Ende Juni. Damit die städtische Bevölkerung und Infrastruktur solche Hitzephasen und Starkregenereignisse künftig besser überstehen können, schmiedete die Pionierstadt Feldbach fundierte Pläne.
Gefördert durch Mittel der Ausschreibung Technologien und Innovationen für die klimaneutrale Stadt (TIKS), hat die steirische Pionierstadt Feldbach gemeinsam mit der LEA GmbH als Projektleiterin sowie den Partnern AEE Intec, 4ward Energy Research GmbH und AllesDach Wagner GmbH synergetische Maßnahmen gegen Überhitzung und Starkregen genau unter die Lupe genommen.
Bei dem Projekt Hitzeinseln Feldbach ging es nicht darum, bereits verfügbare Einzelmaßnahmen zu evaluieren. Im Fokus standen ausschließlich synergetische Maßnahmen. Wie groß sind ihre Wirkungen hinsichtlich Überhitzung und Starkregen? Ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis von – oft komplexeren – synergetischen Maßnahmen vorteilhaft im Vergleich zu jenen von Einzelmaßnahmen?
Drohnen über Feldbach. Um diese Fragen zu beantworten, stand am Anfang des Projekts die Ortung von Hitzeinseln. Dafür hat eine mit Kameras und verschiedenen Sensoren ausgestattete Drohne im Juli 2025 ein definiertes Kerngebiet abgeflogen und wichtige Daten gesammelt. Zusammen mit Wetterdaten und Parametern, erfasst von einem sogenannten Messbaum am Boden, erfolgte die Auswertung und Sichtbarmachung von Hitzehotspots mit der digitalen Analysemethode „Smart City Sensing“.
„Einige Problemzonen in der Stadt waren vorab bekannt, das Ausmaß der Hitze war zum Teil aber überraschend“, erklärt Anna Kranz, Projektleiterin bei der LEA GmbH. Die Green-Scenario-Analyse“ simuliert die Wirkung von grünen Maßnahmen auf die Hitzeinseln. „Auf Basis definierter Szenarien erfolgt eine Bewertung und Optimierung hinsichtlich Regenwassermanagement, Wirkung grüner Infrastruktur, Versiegelung sowie Kosten und Nutzen“, so Kranz.
Die Ergebnisse. Das digitale Modell steht nunmehr als Tool für die Stadtplanung zur Verfügung. Mögliche Umsetzungen, skalierbar auch für andere Städte, sollen im Endbericht spätestens Ende Oktober 2026 veröffentlicht werden. Fest steht: Begrünung ist die wirksamste Maßnahme gegen Hitzeinseln. „Die Wasserversorgung ist für alle Arten von Begrünung wesentlich. Ein herkömmliches Gründach beispielsweise ist meist nur im Frühjahr grün und hat im Sommer keine Kühlwirkung, gerade wenn diese am dringendsten nötig ist. Regenwasserspeicher sind daher unverzichtbar“, erläutert Kranz. Sie entlasten die Kanalisation bei Starkregen und dienen als Wasserversorgung für Begrünungsmaßnahmen. „Künftig sollte keine Begrünungsmaßnahme ohne Regenwasserversorgung umgesetzt werden“, schließt Kranz aus den Analysen.
Außerdem seien Speicherhochbeete eine rasch umsetzbare Maßnahme gegen Überhitzung. Sie benötigen wenig Platz, sind mobil und kostengünstig sowie variabel in Größe und Bepflanzung. „Die Umsetzung umfangreicherer Maßnahmen, wie Fassadenbegrünung oder innovative Beschattungslösungen, braucht eine langfristige Planung und kann nur unter Einbindung verschiedener Bereiche wie Baubehörde, Verkehrsplanung und Ortsbildschutz erfolgen“, stellt die Projektleiterin fest.
Langfristige Pläne. Eine erste größere Maßnahme befindet sich bereits in der Umsetzungsphase: Im Rahmen der IÖB Toolbox wurde in Kooperation mit Architekt Robert Roitmayr und basierend auf den Ergebnissen von „Hitzeinseln Feldbach“ ein Konzept für ein Vegetationsnetz zur Beschattung entwickelt und erfolgreich zur Förderung beim AWS eingereicht. Die Umsetzung soll bis Ende März 2027 abgeschlossen sein.
Die Untersuchung weiterer Umsetzungsmaßnahmen im Stadtgebiet Feldbach hat man in einen laufenden Evaluierungsprozess übergeführt. Um Synergieeffekte mit anderen Sanierungsmaßnahmen von Straßen, Kanal oder Wasserleitungen und Co. bestmöglich ausnützen zu können, will man die Durchführung konkreter Maßnahmen gegen Hitze und Starkregen künftig bei allen Baumaßnahmen der Gemeinde mitdenken.
Weitere Informationen: