Die KEM Weiz-Gleisdorf hat die Fuhrparke ihrer Gemeinden bis ins letzte Detail analysiert und Pläne zur Umrüstung auf elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge erstellt. Innerhalb eines halben Jahres wurden nun acht E-Fahrzeuge in Betrieb genommen, die Anschaffung von fünf weiteren wird gerade vorbereitet.
Während das Angebot an elektrisch betriebenen Pkws inzwischen sehr breit ist, muss man sich bei manchen Arten von Nutzfahrzeugen noch immer auf die Suche nach entsprechenden Anbieter:innen begeben. „Vor allem Pritschenwagen, wie sie fast jede Gemeinde benötigt, sind noch immer schwer zu bekommen – zumindest für einen Test. Aber genau einen solchen braucht es für die Umstellung“, weiß Christian Hütter, Manager der KEM Weiz-Gleisdorf, aus eigener Erfahrung. 2020 startete er im Projekt e-Kommunal Genial! einen ersten Anlauf für die Elektrifizierung der kommunalen Fuhrparke. 2023 begannen dann die Arbeiten zu detaillierten E-Mobilitätsplänen für seine zwölf KEM-Gemeinden*.
Bestandsanalyse. Hütter nahm nicht nur die Angebotsseite unter die Lupe, sondern untersuchte auch die Flotten der Gemeinden und deren Fuhrparkmanagement gründlich. Er erfasste die Anzahl, Art und Ladekapazität der gemeindeeignen Fahrzeuge, wie häufig, für welche Zwecke und zu welchen Zeiten sie eingesetzt werden sowie wo sie stationiert sind. Die Standorte wiederum wurden auf ihre Eignung für Photovoltaik und Ladeinfrastruktur untersucht. „Wir haben uns auch überlegt, wie ein netzdienliches Lade- und Lastmanagement künftig aussehen könnte“, erklärt Hütter. Als Betriebswirtschaftler vergaß er natürlich auch nicht auf einen realistischen Kosten- und Emissionsvergleich zwischen fossil und elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Die Lebenszyklusanalyse ergab deutlich geringere CO2-Werte und mittel- bis langfristig signifikante Kostenvorteile. „Durch Händlerrabatte werden manche E-Fahrzeuge inzwischen sogar schon bei der Beschaffung konkurrenzfähig. Das hat für so manche Überraschung gesorgt“, so Hütter.
Der KEM-Manager fasste für die Gemeinden auch die rechtlichen Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten für E-Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur zusammen. So sieht beispielsweise das Straßenfahrzeug-Beschaffungsgesetz auf Basis der Clean Vehicles Directive der EU vor, dass ab 2026 im öffentlichen Beschaffungsprozess ausschließlich emissionsfreie Pkw und leichte Nutzfahrzeuge neu zugelassen werden dürfen. Ausgenommen davon sind jedoch Beschaffungen im Unterschwellenbereich. „Auch wenn somit für den Tausch einzelner Fahrzeuge meist keine verbindlichen Vorgaben bestehen und auch die Förderungen im Bereich E-Mobilität zunehmend zurückgehen, ist in den KEM-Gemeinden eine Aufbruchsstimmung spürbar, wenn es um die Elektrifizierung ihrer Fahrzeugflotten geht“, freut sich Hütter.
Beschaffung läuft an. Die zwölf E-Mobilitätspläne enthalten kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen. Und sie zeigten bereits Wirkung. „Die Fahrzeugflotten unserer KEM-Gemeinden umfassen zwischen zwei und 70 Kraftfahrzeuge, die großteils noch fossil betrieben werden. Aber allein im vergangenen halben Jahr haben die Gemeinden acht Fahrzeuge getauscht, darunter auch zwei Kleinbusse. Aktuell wird die Anschaffung weiterer fünf E-Fahrzeuge vorbereitet, einschließlich eines E-Radladers“, berichtet Hütter. Schon seit längerem sind bei manchen Gemeinden auch E-Bikes und E-Tuk-Tuks im Einsatz.
Überzeugend wirkte wohl die Testaktion für Gemeinden, die der KEM-Manager mit einem europäischen Autokonzern und einem lokalen Händler ins Leben rufen konnte. Über sechs Monate hinweg konnten ein Kastenwagen, eine Pritsche und ein geräumiger Hochdachkombi kostenlos im Arbeitsalltag ausprobiert werden – zunächst in der KEM Weiz-Gleisdorf, später auch in acht weiteren KEMs in der Steiermark und im Burgenland.
Effiziente Nutzung. Im Rahmen des Projekts wurden auch mögliche Synergien untersucht, so zum Beispiel die gemeindeübergreifende Nutzung von Spezialfahrzeugen, die nicht im Dauereinsatz stehen, oder die Einbindung kommunaler Fahrzeuge in das geplante E-Carsharing-System – darunter auch E-Kleinbusse für den Schülertransport. Das E-Carsharing soll im Rahmen eines neuen Projekts gesamtregional auf neue Beine gestellt werden.
* Zur KEM Weiz-Gleisdorf zählen die Gemeinden Albersdorf-Prebuch, Gleisdorf, Gutenberg, Hofstätten an der Raab, Ludersdorf-Wilfersdorf, Mitterdorf an der Raab, Mortantsch, Naas, Puch bei Weiz, Sankt Ruprecht an der Raab, Thannhausen und Weiz.
Weitere Informationen:
E-Mobilitätsplan für kommunale Fuhrparke
Modellregionen:
KEM Klimafreundlicher Naturpark Almenland