Im Leitprojekt SmallWind4Market begleiteten und dokumentierten die KEMs Elsbeere Wienerwald, Bezirk Perg und Lainsitztal die Umsetzung von Kleinwindenergieanlagen (KWEA). Auf der neuen Online-Plattform kleinwind.online finden Interessent:innen allgemeine Informationen sowie Erfahrungsberichte von Betreiber:innen und qualitativ hochwertige Produkte.
Die Windkraft zählt zu den ältesten Energietechnologien der Menschheit. Bei der Internationalen Elektrizitätsausstellung 1883 in Wien präsentierte der österreichische Ingenieur Josef Friedländer erstmals eine windbetriebene Stromerzeugungsanlage. Seither hat sich die Windkraft enorm weiterentwickelt. In Österreich deckt die Großwindkraft inzwischen rund 16 Prozent des heimischen Strombedarfs, in Deutschland sind es etwa 30 Prozent.
Die Kleinwindkraft dagegen fristet bis heute eher ein Schattendasein. „Sie stellt jedoch neben der Photovoltaik eine der wenigen Möglichkeiten dar, auch in bebauten Gebieten umweltfreundlich elektrische Energie zu erzeugen“, erklärt Matthias Zawichowski, Manager der KEM Elsbeere Wienerwald und Projektleiter von SmallWind4Market.
Komplexes Unterfangen. Kurt Leonhartsberger, KEM-Manager im Bezirk Perg, ergänzt: „Allerdings ist die Kleinwindkraft in der Umsetzung deutlich komplexer als Photovoltaik. Damit sie sich rechnet, benötigt man einerseits einen guten Standort mit einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von 4 m/s oder mehr, andererseits eine gute Anlage. Leider erfüllen nicht alle in Österreich erhältlichen KWEA die Qualitätskriterien.“ Gewissheit über die zu erzielenden Stromerträge geben nur Windmessungen am geplanten Standort.
Außerdem benötigt man Geduld und Standhaftigkeit. Bei der Genehmigung von KWEA gibt es je nach Bundesland unterschiedliche Anforderungen, die, so Leonhartsberger, teilweise auch nicht nachvollziehbar seien. „Dazu kommt, dass die meisten Gemeinden noch keine Erfahrungen mit Kleinwindkraft gemacht haben.“ Beides zieht die Verfahren in die Länge.
Eigenversorgung steigern. Von fünf zur Genehmigung vorbereiteten Projekten konnten zwei innerhalb der Projektlaufzeit umgesetzt werden: In Wolfern (Oberösterreich) ging heuer im Februar eine KWEA mit 5 kW Nennleistung über Mostobstbäumen in Betrieb. Eigentlich hätte der Betreiber lieber eine größere Anlage errichtet, doch die kleinere war schneller genehmigungsfähig. In St. Getraud (Kärnten) konnte nach drei Jahren Genehmigungsverfahren im Oktober 2024 ein Windkraftwerk mit 25 kW Nennleistung und 18 Meter Nabenhöhe errichtet werden.
In beiden Fällen ging es um eine Ergänzung bestehender Photovoltaikanlagen. Beide KWEA dienen dem Eigenbedarf. Denn der wirtschaftliche Vorteil für Betreiber:innen liegt darin, keinen oder weniger Strom zukaufen zu müssen. Mit einer guten Anlage könne man Stromgestehungskosten von 15 Cent erreichen, so Leonhartsberger. Damit wäre eine Einspeisung ins Stromnetz ein Verlustgeschäft. Der Stromeinkaufspreis liegt jedoch in den meisten Fällen einiges über dieser Marke. Interessant sei die Kleinwindkraft besonders für landwirtschaftliche Betriebe und kleinere Unternehmen, meint Zawichowski. Bewährt hat sich die Kombination aus KWEA, PV und Batterie auch in Energiesystemen abseits des Stromnetzes.
Informationsoffensive. Im Leitprojekt wurden zehn Informationsveranstaltungen in Niederösterreich und Oberösterreich sowie eine Exkursion zu Kleinwindkraftprojekten und zum Forschungspark für Kleinwindkraftanlagen in Lichtenegg durchgeführt. „Wir stießen dabei auf enormes Interesse, in Dietach hatten wir sogar mehr als 200 Teilnehmer:innen“, freut sich Leonhartsberger. „Ich bin mir sicher, dass wir dadurch etliche Projekte initiieren konnten. Gleichzeitig mussten wir aber auch einigen Interessent:innen mangels geeigneter Wind- oder Standortverhältnisse abraten.“
Im Leitprojekt nahm Leonhartsberger außerdem zehn erprobte Anlagetypen von sechs Herstellerbetrieben unter die Lupe und bereitete deren Unterlagen bestmöglich für Genehmigungsverfahren auf. Diese kann man nun über kleinwind.online kostenlos beziehen. Die neu geschaffene Plattform soll Interessent:innen, Betreiber:innen und Hersteller:innen miteinander vernetzen. Hier gibt es grundlegende Informationen, Erfahrungsberichte, Videos sowie Links zu Leitfäden und Fachliteratur.
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