Die KEM-Schwerpunktregion im Steirischen Vulkanland zeigt, wie Bioökonomie & Kreislaufwirtschaft vom Schlagwort zur regionalen Praxis werden. Im Mittelpunkt stehen regionale Ressourcen, wissenschaftlich begleitete Potential- und Machbarkeitsstudien sowie die Frage, welche Kreisläufe ökologisch, wirtschaftlich und organisatorisch tatsächlich umsetzbar sind.
Das Steirische Vulkanland wurde 2021 als KEM-Schwerpunktregion Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft ausgewählt. Von 2022 bis 2026 wurden in der Modellregion insgesamt 11 Maßnahmen umgesetzt, um regionale Ressourcen besser zu nutzen, Kreisläufe zu schließen und Wertschöpfung in der Region zu stärken. Beim Abschlussforum am 11. März 2026 in Feldbach zogen Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung eine positive Bilanz.
Eine Region mit gemeinsamer Richtung. Seit über 20 Jahren arbeiten im Vulkanland rund 30 Gemeinden, sowie zahlreiche regionale Institutionen und Organisationen an einer gemeinsamen Entwicklungsperspektive. Einzelne Projekte werden hier nicht isoliert umgesetzt, sondern in eine langfristige Vision eingebettet. Mit der „Vision 2040“ hat die Region einen Rahmen geschaffen, der soziale, ökologische und wirtschaftliche Aspekte miteinander verbindet. Diese gemeinsame Richtung erleichtert es, Projekte aufeinander aufzubauen, Synergien zu nutzen und Entwicklungen über mehrere Jahre konsequent weiterzuführen. In der Modellregion wurden zentrale Zukunftsthemen nicht nur diskutiert, sondern fachlich und wissenschaftlich begleitet auf ihre Machbarkeit geprüft. Im Fokus stand die Frage, welche regionalen Rohstoff- und Wertschöpfungskreisläufe tatsächlich machbar sind – ökologisch, wirtschaftlich und organisatorisch.
Der Boden als Basis. Viele Maßnahmen der Modellregion knüpfen an Themen an, die im Vulkanland bereits seit Jahren bearbeitet werden. Bestehende Grundlagen wie die Bodencharta oder die Waldcharta bildeten wichtige Anknüpfungspunkte. Dadurch konnten neue Vorhaben rasch weiterentwickelt und in vorhandene Strukturen eingebettet werden. Ein Schwerpunkt war die regionale Eiweißversorgung. Sojaimporte spielen auch im Vulkanland eine große Rolle, belasten die Umwelt und verschlechtern die Ökobilanz der Tierhaltung. Wie groß der Hebel gerade in der Tierfütterung ist, machte Reinhard Puntigam beim Abschlussevent der Modellregion deutlich: In Schweinemastversuchen an der Fachschule Hatzendorf konnte gezeigt werden, dass durch die Reduktion von Sojaschrot bei gleichem Masterfolg der ökologische Fußabdruck halbiert werden könnte.
Rohstoffe sichtbar machen. Ein konkretes Ergebnis der Modellregion ist die biogene Rohstoffbörse, die gemeinsam mit dem Maschinenring Steiermark entwickelt wurde. Die Online-Plattform macht land- und forstwirtschaftliche Rohstoffe sowie Nebenströme aus der Lebensmittelverarbeitung sichtbar und bringt Angebot und Nachfrage direkt zusammen. Angeboten oder gesucht werden können etwa Holz, Stroh, Erntenebenprodukte, Reststoffe aus der Lebensmittelverarbeitung, aber auch Obst, Gemüse und Urprodukte aus bäuerlicher Verarbeitung. Damit schafft die Rohstoffbörse mehr Transparenz über vorhandene Ressourcen, fördert neue regionale Partnerschaften und unterstützt resilientere Lieferketten sowie die regionale Wertschöpfung.
Kreisläufe zusammendenken. Auch hinsichtlich der kaskadischen Rohstoffnutzung wurden Potenziale sichtbar gemacht. Dazu zählen die Nutzung von Reststoffen aus Nebenströmen, die Rückgewinnung von Nährstoffen und die bessere Verzahnung von Landwirtschaft, Gewerbe und Energieproduktion. Die Modellregion beschäftigte sich auch mit Pflanzenkohleproduktion und Biomasseverstromung. Dabei wurden technische und wirtschaftliche Optionen geprüft, etwa in Verbindung mit Nahwärme, Heizwerken oder landwirtschaftlichen Stoffströmen.
Was andere Regionen mitnehmen können. Die Umsetzung hat gezeigt, dass externe Entwicklungen maßgeblich beeinflussen, welche Themen an Dringlichkeit gewinnen. Energie- und Lebensmittelpreise, geopolitische Entwicklungen oder Extremwetterereignisse verändern laufend die Ausgangslage. Solange fossile Rohstoffe ihre tatsächlichen Folgekosten nicht abbilden, bleiben viele Ansätze der Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft wirtschaftlich im Nachteil und damit oft ungenutzt. Umso wichtiger ist es, langfristige Ziele mit der Fähigkeit zu verbinden, rasch auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren.
Aus den Umsetzungen im Steirischen Vulkanland können andere Regionen mitnehmen, wie wichtig ein klares Bild der eigenen Ausgangslage ist. Genau darin sieht auch Modellregions-Managerin Martina Lepschi einen wesentlichen Erfolgsfaktor: „Wir haben im Vulkanland eine enorme regionale Kompetenz aufgebaut.“ Diese Kompetenz ist die Grundlage dafür, regionale Potenziale nicht nur zu erkennen, sondern gemeinsam mit den handelnden Akteur:innen in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.Nicht das Maximum steht im Vordergrund, sondern das Optimum: Lösungen, die vor Ort funktionieren, vorhandene Ressourcen sinnvoll nutzen und langfristig, breit getragen werden.
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KEM-Schwerpunktregion Bioökonomie & Kreislaufwirtschaft Steirisches Vulkanland